2014-05-28

Emotionalen Dampf ablassen


Tut mir Leid Leute, aber heute muss ich mal emotionalen Dampf ablassen.

Die letzte Zeit war sehr ermüdend und ein Spießenrutenlauf sondergleichen. Erst machte eine Studie die Runde, in der ein angeblicher Zusammenhang zwischen Autismus und Gewalttaten gesehen (oder besser suggeriert) werden sollte, dann kam die angebliche Autismus-Diagnose des Täters Elliot Rodgers, die er gar nicht hatte (aber immer noch fröhlich weiter von den Medien verbreitet wird).
So viel Hass und Ablehnung, wie nicht nur mir, sondern Autisten allgemein in den letzten Tagen entgegenschlug, muss erstmal verarbeitet werden. Von "da wird schon etwas dran sein, man hört ja immer öfter, dass Autisten zu Mordserien/Gewalttaten neigen" bis zu "Autisten gehören registriert und gechippt, nur um auf Nummer sicher zu gehen" war alles zu lesen und ich weiß gerade nicht, wie viel Zeit es benötigen wird, diesen Schaden wieder gut zu machen. Ich bekomme viele Mails von Lesern, viele davon auch Autisten, die mir ihre Lebensgeschichten sowie Erfahrungen nach ihrem Outing erzählen, mal traurig, mal lustig, aber auch manchmal so schockierend, dass ich es gar nicht fassen kann und ich Schwierigkeiten habe, mich emotional zu distanzieren. Ich bin kein Psychologe, aber ich möchte helfen. Ich weiß leider oft nicht wie, außer zu sagen: Du bist nicht allein.

Ich werde tatsächlich häufiger (von Nicht-Autisten) gefragt, warum Autisten denn Angst hätten sich zu outen. Ein täglicher Blick in die Medien genügt, um die Antwort zu finden: diskriminierende Vergleiche, Klischees und schreckliche (meist faktisch falsche) Berichterstattungen, die natürlich beim Leser ihre Spuren hinterlassen und das Bild des "gemeinen Autisten" schüren. Das gilt leider nicht nur für Autisten, sondern für Minderheiten allgemein. Es ist alles wie immer: es muss Sündenböcke geben. Die, die anders sind. Hat noch jemand einen X-Men Flashback?

Nein, liebe Medien, Autismus macht niemanden zum Mörder. Und wenn wir es noch so laut herumschreien müssen, bis es auch der Letzte hört.

An dieser Stelle möchte ich mich aber auch bei den Journalisten bedanken, die ihre Arbeit gut machen, nicht auf effektvolle Überschriften à la "Schaut da, da sind die Monster" setzen, sondern wissenschaftlich fundierte Artikel liefern und aufklärerische Arbeit leisten. Danke! Von euch muss es noch viel mehr geben!

Dazu zwei schöne Beiträge von Autland Nürnberg und Autzeit.

Das verwendete Bild (ausnahmsweise nicht von mir) stammt von dieser Seite (free to use).