2012-12-16

Feiertagsblues


Euch allen einen schönen 3. Advent!
Aus gegeben Anlass möchte ich mich heute kurz einem Thema widmen, das mir das Wochenende so gründlich verdorben hat: Der kürzliche Amoklauf in den USA und die darauffolgende Vermutung von Spiegel Online, dass der Täter Asperger-Autist gewesen sei. Abgesehen davon, dass diese Diagnose Post mortem durch nichts zu belegen ist, der Artikel vor falscher Tatsachenbehauptung nur so strotzt und eine ganze Gruppe quasi in Sippenhaft nimmt, katapultiert er die über jahrelang aufgebaute Annäherung von Autisten und NT’s, die sowieso immer wieder schwere Rückschlage hinnehmen muss, zurück in die Steinzeit.

Ich bin wütend, traurig, schockiert und... einfach fassungslos. Nicht nur darüber, dass Nichtautisten anscheinend nicht die Weitschicht und das Einfühlungsvermögen besitzen, was sie mit einem derartigen Artikel anrichten können (sind sie nicht eigentlich zu der selbsternannten starken Empathie fähig?), sondern dass selbst nach anhaltender Kritik über Twitter und der vielen Stellungnahmen von Autisten, die Reaktionen der Spiegelredaktion von völligem Unverständnis und Unkenntnis zeugen. Inzwischen wurde einiges am Artikel verändert (er wurde damit nicht besser, geschweige denn abgeschwächt) und eine Anmerkung hinzugefügt, die Kernaussage aber bleibt: Eine derartige unerklärliche Tat wird mit einer Behinderung, die ebenfalls für viele nicht fassbar ist, gleichgesetzt.
Autismus. Asperger. Schizoide Physchopathie.
Nun scheint doch alles klar, oder nicht?

Auch wenn es völlig selbstverständlich sein sollte, muss ich anscheinend diesen Satz schreiben: Autismus macht niemanden zum Amokläufer.

Nun mag der eine oder andere Leser sagen: Das weiß doch jeder, niemand, der bei Verstand ist, würde diesem Artikel Glauben schenken. Nun ja, das würde ich mir wünschen, aber da ich selbst schon viele Menschen getroffen habe, deren Autismusbild durch eine Vielzahl schlechter Medienbeiträge geprägt ist („Ihr seid doch alle hochbegabt!“, „Cool, was ist denn deine Autistensuperfähigkeit?“, „Kannst du überhaupt so was wie Zuneigung empfinden?“), habe ich Angst. Angst, mich mit meiner Diagnose vorsehen zu müssen. Angst, dass sich andere Autisten nicht mehr outen, sich noch mehr verstellen, sich für etwas schämen, wofür es keinerlei Anlass gibt. Schämen sollte sich Spiegel Online, mit Journalismus hat das nämlich nichts mehr zu tun.

Erstaunlicherweise fiel die ganze Diskussion mit einem neuen Update meines Schattenspringers zusammen und mir wurde wieder klar, wie wichtig Aufklärung in diesem Bereich ist, und sei es nur durch eine kleine Lebensgeschichte in comicform. Ich möchte mich nicht in Zukunft vorstellen müssen mit dem Satz: „Hallo, ich bin Daniela, Autistin und keine Amokläuferin.“

Hier könnt ihr ein paar sehr interessante Stellungnahmen dazu lesen:
Realitaetsfilter
AutZeit
Fotobus
Aspergerfrauen
Quergedachtes
Peachygals


Nun aber zum Sonntagscartoon. Passend, denn den Blues spüre ich auch gerade...

1216-Feiertagsblues

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